Historisches

Im Jahre 1990 wurde vom Vorstand der wissenschaftlichen Gesellschaft der deutschen Transfusionsmediziner (Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, DGTI) die

Ständige Kommission für transfusionsmedizinische Weiterbildung und Berufsfragen

gegründet. Diese im allgemeinen Sprachgebrauch als “berufspolitische Kommission” bezeichnete Gruppe bestand aus den Mitgliedern Prof. Dr. R. Eckstein (Berlin), Prof. Dr. V. Kretschmer (Marburg), Dr. N. Petersen (Dortmund), Dr. G. Walther-Wenke (Münster) und PD Dr. D. Weishaar (Kassel). Auf ihrer ersten Sitzung am 3. März 1990 in Hannover wurde Prof. Dr. Eckstein für die Zeitdauer von 2 Jahren zum Vorsitzenden dieser Kommission gewählt.

Die Kommission berichtete dem Vorstand der DGTI regelmäßig über ihre Aktivitäten. Dies geschah unter anderem dadurch, dass der Vorsitzende der Kommission an allen Vorstandssitzungen der DGTI teilnahm. Ein wesentliches Ziel der Kommission war es, in Zusammenarbeit mit den Fachkollegen aus der ehemaligen DDR (wo es die Gebietsbezeichnung bereits seit vielen Jahren gegeben hatte) den “Facharzt für Transfusionsmedizin” in der gesamten Bundesrepublik einzuführen. Hierfür wurde ein Arbeitskreis unter Federführung von Herrn Prof. V. Sachs (Kiel) gegründet, dessen Aufgabe es war, die Einführung der Gebietsbezeichnung “Transfusionsmedizin” voranzutreiben und bei den anderen Fachgesellschaften und der Bundesärztekammer um Zustimmung hierfür zu werben. Es wird berichtet, dass Prof. Sachs –  in Anlehnung an das berühmte Zitat Cato’s des Älteren – jede wichtige Rede mit den Worten abschloss:

“Ceterum censeo scientiam transfusionis sanguinis in disciplinam propriam esse mutandam”

Auf dem 94ten Deutschen Ärztetag im Mai 1991 in Hamburg stellte die Bundesärztekammer zum ersten Mal den Antrag auf Neueinführung eines Gebietes “Transfusionsmedizin”. Damals wurde der Antrag mehrheitlich von den Delegierten abgelehnt und an die Kammer zurückverwiesen. Ein Jahr später, auf dem 95. Deutschen Ärztetag in Köln, brachte Prof. Brandstädter, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt und selbst Transfusionsmediziner, den Antrag erneut ein mit der Begründung, dass sich das Gebiet der Transfusionsmedizin in den letzten Jahren zu einer neuen, originären Disziplin herangebildet habe, dass ohne die Hämotherapie eine moderne Medizin nicht mehr denkbar sei und dass es den Facharzt Transfusionsmedizin in der ehemaligen DDR schon seit Jahren gegeben habe. Diesmal wurde der Antrag mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung angenommen, so dass nun das neue Gebiet “Transfusionsmedizin” von den Landesärztekammern in ihre Weiterbildungsordnungen aufgenommen werden konnte.

Im Jahre 1994, also 4 Jahre nach Gründung der berufspolitischen Kommission der DGTI, wurde diese Kommission aus der DGTI ausgegliedert und in einen eigenen Verein überführt. Auf einer Sitzung am 3. März 1994 in Homburg/Saar wurde von den Teilnehmern der Sitzung Prof. Eckstein (Erlangen), Dr. Hitzler (Mainz), Prof. Kretschmer (Marburg), Dr. Mayer (München), Dr. Nagl (Augsburg), Dr. Petersen (Dortmund), Prof. Poschmann (Hamburg), Dr. Sugg (Stuttgart) und Prof. Wenzel (Homburg) in Anwesenheit eines Notars der

Berufsverband Deutscher Transfusionsmediziner e.V. (BDT)

gegründet. Als erster Vorsitzender wurde Dr. Nils Petersen gewählt, als sein Stellvertreter Dr. Detlev Nagl. Schatzmeister des neu gegründeten Vereins wurde Dr. Gerhard Mayer, Schriftführer Prof. Dr. Alois Poschmann. Als Beisitzer wurden Prof. Eckstein und Dr. Hitzler gewählt. Alle Vorstandsmitglieder verpflichteten sich, in der nächsten Mitgliederversammlung des Vereins ihre Ämter niederzulegen, um es dann den neuen Mitgliedern des BDT zu ermöglichen, einen eigenen Vorstand demokratisch zu wählen.

Seit dieser Zeit gehörten folgende Kolleginnen und Kollegen dem Vorstand des BDT an:

Position Name Amtszeit
1. Vorsitzender
Dr. Nils Petersen
Prof. Dr. Thomas Müller
Prof. Dr. Hermann Eichler
PD Dr. Kristina Hölig
 
1994 – 2004
2004-2012
2012-2016
seit 2016
 
2. Vorsitzender
Prof. Dr. Bernhard Kubanek
PD Dr. Dörner
Prof. Dr. Markus Böck
Dr. Eduard K. Petershofen
 
1994 – 1998
1998 – 2002
2002 – 2010
seit 2010
Schatzmeister
Prof. Dr. Alois Poschmann
Dr. Detlev Petersen
Dr. Gabriele Walther-Wenke
Dr. Henk Garritsen
 
1994 – 2004
2004
2004 – 2005 (komm.)
seit 2005
Schriftführer
Dr. Albersmeyer
Dr. Gabriele Walther-Wenke
Prof. Dr. Hermann Eichler
PD Dr. Kristina Hölig
Prof. Dr. Erwin Strasser
 
1994 – 1998
1998 – 2006
2006 – 2012
2012-2016
seit 2016
1. Beisitzer
Prof. Dr. Reinhold Eckstein
PD Dr. Erwin Strasser
Prof. Dr. A. Humpe 
 
1994 – 2012
seit 2012 – 2016
seit 2016
2. Beisitzer
Dr. Elke Gossrau
Dr. Gerhard Schönermarck
Dr. Kristina Hölig
Dr. Christoph Frohn
 
1994 – 1998
1998 – 2004
2005 – 2012
seit 2012

Als Geschäftsführer war in der Zeit von 1994 – 2004 Herr Dr. Heinz Schmitt (Springe) bestellt.


Nachruf Dr. Nils Petersen

Am 2. September 2010 verstarb Dr. med. Nils Petersen im Alter von 68 Jahren.

Als Sohn eines Kinderarztes und einer Kinderärztin wurde er am 22. November 1941 in Breslau/Niederschlesien geboren. Nach der Tragik des zweiten Weltkrieges mit Flucht und Vertreibung fand die Familie 1946 schließlich Aufnahme in Schwerte/Nordrhein-Westfalen. Dort und im benachbarten Iserlohn absolvierte Nils Petersen seine Schulzeit, die er 1961 mit dem Abitur abschloss. Es folgte sein Medizinstudium, zunächst bis 1964 an der Universität in Erlangen und anschließend an der Freien Universität in Berlin, wo er 1967 das Staatsexamen ablegte.

Nach zweijähriger Tätigkeit als Medizinalassistent in verschiedenen Berliner Krankenhäusern bildete er sich von 1969 bis 1977 bei Prof. Pribylla, Chef der Inneren Abteilung des Krankenhauses Berlin-Moabit, zum Facharzt für Innere Medizin weiter. Dann wechselte er in das Bakteriologisch-serologische Institut des gleichen Hauses, wo er u. a. für das Blutkonservendepot und den „Frischblutspendernachweis“ des Krankenhauses zuständig war. 1980 wurde er Facharzt für „Laboratoriumsmedizin“ und 1981 erhielt er die Erlaubnis zur Führung der Zusatzbezeichnung „Transfusionsmedizin“. 1981 ging Nils Petersen dann als Oberarzt und Vertreter des Leiters des dortigen Bluttransfusionsdienstes an das Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße in Bremen. 1984 promovierte er mit einer Dissertation über Immunglobuline bei Früh- und Neugeborenen an der Medizinischen Hochschule Lübeck.

Von 1985 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 war Nils Petersen als Chefarzt am Institut für Transfusionsmedizin des Klinikums Dortmund tätig. Er hat in diesem Zeitraum große Anstrengungen unternommen, um innovative und sicherheitsrelevante Neuerungen und Techniken frühzeitig in der Transfusionsmedizin umzusetzen. Dabei hat er jedoch nie die Notwendigkeit zur Wirtschaftlichkeit des Instituts für Transfusionsmedizin aus den Augen verloren. Nils Petersen war erfolgreich in der Vermittlung zwischen den hohen arzneimittelrechtlichen Anforderungen der Behörden einerseits und den begrenzten Möglichkeiten eines klinikeigenen Blutspendedienstes andererseits. Über die Jahre hat er sich dadurch bei den Kollegen in der Klinik und in anderen Blutspendediensten sowie bei den Behördenvertretern hohen Respekt erworben.

Nils Petersen hatte großes Interesse und ein gutes Geschick, den Mitarbeitern transfusionsmedizinisch relevante Themen und Fortbildungen näher zu bringen. Gerne und oft hat er den Mitarbeitern und Gästen des Instituts komplizierte transfusionsmedizinische Sachverhalte und Diagnostik mit einfachen Worten und in gut verständlicher Weise erklärt. Neben der Immunhämatologie galt sein besonderes medizinisches Interesse im Labor der speziellen immunologischen Diagnostik – insbesondere dem Nachweis von Paraproteinämien und monoklonalen Gammopathien. Gleichwohl suchte er immer das Gespräch und den konsiliarischen Austausch mit den klinisch tätigen Kollegen, um die diagnostischen Befunde auch optimal und kliniknah zu beurteilen.

Im Jahre 1994 gehörte Nils Petersen zu der ersten Generation, die den „Facharzt für Transfusionsmedizin“ erlangte. Er hatte sich zuvor im Kammerbezirk Westfalen-Lippe für die frühzeitige Einführung dieses Gebietsarztes eingesetzt. Über die gesamte Zeit seiner Tätigkeit in Dortmund war er für die rztekammer Westfalen-Lippe ein ichtiger Berater in allen die Transfusionsmedizin und Laboratoriumsmedizin betreffenden Aspekten. Seit den 90-ger Jahren at Nils Petersen sich zudem im ammerbezirk Westfalen-Lippe für die Umsetzung des Transfusionsgesetzes und damit für die Qualitätssicherung der klinischen Hämotherapie engagiert. In diesem Rahmen hat er zahlreiche Fortbildungen initiiert und organisiert.

In den letzten Jahren seiner Tätigkeit am Klinikum Dortmund hat Nils Petersen sich mit der Vorplanung eines Neubaus zur Zusammenfassung aller laborassoziierten Fächer unter ein Dach beschäftigt. Mit seiner Pensionierung und dem Chefarztwechsel wurde die Zentrumsbildung zum „Institut für Transfusionsmedizin, Laboratoriumsmedizin und Medizinische Mikrobiologie vollzogen – seit 2008 ist das neue Institut komplett in diesem Neubau am Klinikum Dortmund lokalisiert.

Nils Petersen hat sich darüber hinaus viele Jahre aktiv und konsequent in verschiedenen fachmedizinischen und berufsständischen Gremien engagiert. In der
„Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlicher und kommunaler Blutspendedienste“ (StKB) war Nils Petersen 1989 – 1992 als Schatzmeister aktiv, bevor er 1992 – 1994 erster Vorsitzender der StKB wurde. Dem Arbeitskreis „Blut“ des Robert-Koch-Instituts gehörte er als engagiertes Mitglied von 1994 – 2005 an. Sein Ziel war dabei stets die optimale und wirtschaftlich angemessene Sicherheit in der Hämotherapie und die Erreichung von breit akzeptierten neuen Standards.

Nils Petersen war ganz wesentlicher Initiator und Mitbegründer des „Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner“ (BDT). Aus diesem Grunde
wurde er auch dessen erster und langjähriger Vorsitzender, nämlich von 1994–2004. In dieser Zeit hat er den BDT ganz wesentlich mit geprägt. Insofern vertrat er in dieser Funktion nicht nur persönlich und engagiert die Interessen deutscher Transfusionsmediziner, sondern hat auch wesentlich zur nachhaltigen Etablierung der Transfusionsmedizin als fachmedizinische Instanz in der Medizin insgesamt beigetragen.

Sein enormes berufspolitisches Engagement und sein Einsatz für eine klinische Ausrichtung der Transfusionsmedizin wurden seitens der DGTI mit der Verleihung der Volkmar-Sachs-Medaille gewürdigt.

Nils Petersen hinterlässt seine Ehefrau Hannelore Petersen, mit der er seit 1971 verheiratet war. Er hat eine Tochter und einen Sohn sowie fünf Enkelkinder. Sowohl seine Tochter als auch sein Sohn sind Ärzte geworden, so dass das medizinische Engagement in der Familie fortbesteht.

Die Transfusionsmedizin und insbesondere der Berufsverband Deutscher Transfusionsmediziner schuldet Nils Petersen großen Dank für sein langjähriges und
erfolgreiches Engagement.

Für den Nachruf: PD Dr. med. Uwe Cassens, Dortmund